Die Projektentwicklung aus der Lage der heutigen psychosozialen Situation und den wissenschaftlichen Erkenntnissen der prä-, peri- und postnatalen Psychologie und Medizin

Das Projekt trägt absichtlich den provokanten Titel: „Die Emanzipation des Kindes".

Mit Emanzipation verbindet man im üblichen Umgangsdenken die Selbstverwirklichung der Frau. Die Männer sind gehalten, sich diesen berechtigten Forderungen zu stellen und müssen sich zumeist neu definieren. Dieses ist ein Prozeß, der in Diskussionen immer wieder für Spannungen sorgt und deren Ausgang noch unbefriedigend ist.

Es fällt dabei auf, daß die Bedürfnisse des Kindes, die es von der Zeugung an als werdender Mensch hat, vernachlässigt werden, noch im dunklen Hintergrund stehen. Der Grund dafür mag sein, daß seine Bedürfnisse kaum bekannt sind, ja, nicht bekannt sein dürfen, um Erwachsene nicht an eigene Kindheitsversagungen zu erinnern. Dennoch drängen uns die Auswirkungen frühkindlicher Versagungen dazu, die ursprünglichen Bedürfnisse des werdenden Menschen ins Bewußtsein zu holen.

Auf den Tatbestand derartiger Auswirkungen soll später näher eingegangen werden. Diesbezüglich wird auch die Gesellschaft kritisch in Augenschein genommen und nicht zuletzt soll das Projekt in der vorgesehenen praktischen Umsetzung vorgestellt werden.

Zunächst seien die Gründe erwähnt, die zu dem Projekt geführt haben. Kindgerechte Begleitung erfordert immer mehr unsere Aufmerksamkeit und muß schließlich zum vorrangigen Faktor in Familie, Gesellschaft und Staat deklariert werden.

Die im sozialen Bereich Tätigen, insbesondere die Psychotherapeuten in ihren Praxen, in psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken haben mit Menschen zu tun, die unter den Auswirkungen frühkindlicher Schädigungen in Form von schwerer Symptomatik leiden. Die Behandlung ist zeit- und kostenaufwendig und eine Gesundung nur in Teilbereichen möglich. Was in Jahrzehnten blockiert und im Verhalten eines Menschen eingeschliffen ist, kann nicht in kurzer Zeit dauerhaft gebessert werden. So wurde in den letzten Jahren immer öfter die Notwendigkeit angesprochen, Elternschulen einzurichten. Es könne nicht auf Dauer widerspruchslos hingenommen werden, daß die sozial Tätigen Schäden ausbessern, die unwissende, d.h. auf Elternschaft nicht genügend vorbereitete Mütter und Väter anrichten, die damit nicht nur ihrem Kind in seiner Entwicklung schaden sondern damit auch sich selbst und in späterer Folge dem Staat und der Gesellschaft.

Elternschulen und - kurse werden inzwischen vielfältig angeboten und genutzt. Auch Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung wird von Müttern angenommen. Es hat sich in den letzten Jahren also viel in der Prävention getan.

Die in den letzten 30 Jahren erworbenen Erkenntnisse im prä-, peri- und postnatalen Bereich fordern dringend eine Umsetzung im präventiv-praktischen Bereich. Damit ist gemeint, daß die Prävention früher als bisher angesetzt werden müßte, bereits im jugendlichen Alter.

Diese präventive Information beinhaltet das hier vorgestellte Projekt. Jugendliche sollten früh in Kenntnis gesetzt werden, was eine Elternschaft bedeutet. Diese Information sollte zur Allgemeinbildung gehören. Das frühe Wissen darüber, was ein Kind von der Zeugung an, gemäß der evolutionären Entwicklung des Menschen an richtiger Behandlung erwartet, ermöglicht eine spätere bewußte Entscheidung für oder gegen eine Elternschaft.

Teile aus den folgenden Ausführungen sind inhaltliches Informationsangebot für Jugendliche, die am Projekt teilnehmen.



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